Samstag, 22.08.2020

Heimreise 01, Bargteheide - Soltau – Lehrte - Bodenwerder

Vorab die Strecke in etwa ausgekuckt, grob orientiert an der Luftlinie und der A7, umfahre ich östlich Hamburg und quere ein letztes Mal mit der Fähre die Elbe bei Kirchwerder. Meist neben der B3 geht es recht zügig voran und die erste Etappe endet in Hotel Park Soltau. Sehr nett sehr freundlich und zuvorkommend, Abendessen und Frühstück vom Büfett, so komm ich früh morgens wieder weg. Vom Heidepark sehe ich nur die hohen Bögen der Achterbahn, von Soltau nur den Pennymarkt zur Wasseraufnahme. Die 10km Umweg wegen Sperrung eines Bahnübergangs und mangels Beschilderung im Wald endender Weg sind ärgerlich, von der Heide selbst ist längs der Straße außer ein paar Kräuterwiesen recht wenig zu sehen. Um Strecke zu machen bleib ich bis Celle an der Bundesstraße, das Wegenetz ist touristisch Regional, Durchgangsstrecken sind schlecht beschildert, Dorfhoppering auf Nebenstraßen, Ortschaften idyllisch, Misthaufen, Stallgeruch, Hannoveraner. Es ist echt nochmal heiß geworden, so gibt es in der Fachwerkstadt Celle das Mittagseis, schlaue Sprüche an den Fassaden, ein Glockenspiel spielt Choräle und „Wem Gott will rechte Gunst erweisen...“. Passt.

Ich bin für den Tag gut in der Zeit und wage nochmal das Nebenstreckenexperiment über die Dörfer. So schaffe ich es nicht bis geplant Hildesheim und lande schließlich in Lehrte. Eine ältere Dame bei Burgdorf nach dem Weg gefragt antwortet wie aus der Pistole: „Was wollnse den in Lehrte...???“. Die Frage amüsiert und beschäftigt mich die letzten 10km. In dem vorab ausgekuckten billigen Hotel, Recherche: Lehrte, ehemals Industrie und Bergbaustädtchen im Einzugsbereich Hannovers hat die bessere Zeiten gehabt, Stadt und Hotel von eher derbem Scharm, Förderturm, Kalihalden. Früher wichtiger Knotenpunkt der Bahnstrecke Hannover - Berlin ist Lehrte Namensgeber des Berliner Hauptbahnhofs, auch interessant.
Lt. Wikipedia sind u.a. bekannte Persönlichkeiten der Stadt, Gerhard Schröder, Ursula v. d. Leyen und Reinhard Mey, breitgefächerter geht’s kaum.

Im Hotel weitere Streckenplanung unter Berücksichtigung der zu erwartenden Topographie. Wenn ich über Hildesheim, Göttingen nach Kassel will bleibe ich irgendwann im Weser Bergland stecken, so mach ich einen diskreten Schlenker nach Osten, durchquere die „Deister Pforte“ um bei bequemer Steigung die Rattenstadt Hameln an der Weser zu erreichen. Vor mir liegen nun die Flusstäler von Weser und Fulda, Qualitätsradwege mit vielen Schleifen zwar, dafür keine beunruhigende Steilstrecken, Radreiseinfrastruktur, beste Beschilderung und hochwertige Wegebau. Nach den Strapazen der letzten Wochen echt was zum Vorfreuen.

Das Wetter hält, so beziehe ich nahe der Münchhausenstadt Bodenwerder auf dem Campingplatz „Himmelspforte“ für 2 Nächte Quartier. Günstiges Frühstück in der Stadt, wie ich vom Nebentischgespräch erfahre, in der Gegend mit den niedrigsten Lebenshaltungskosten der Republik, in der Tat.

Auf der perfekt ausgebauten Strecke viele Radreisende, die 5-köpfige Familie mit Säugling und Zelt, viele Ü60er und weit drüber. Neben den Wohnmobilisten echter Wirtschaftsfaktor. Der Radreisende konsumiert aus Transportgründen i.d.R. unterwegs. Ich bin genügsam, koche meist selbst und verbrauche im Schnitt je nach Unterkunft Zelt/Hotel zwischen 50 und 100 €/Tag, (Durchschnittlich ca. 65€), kaufe regional, Radreisende sind keine Billigtouris. Investiert in Radwege!!!

Die letzten 3 Tagesetappen waren rund 300 km, d.h. ein knappes Drittel der Heimreise liegen hinter mir. Die Strategie, 3 Tage knüppeln, ggf. aus Zeitgründen ins Hotel, dann 1 Off-Day im Zelt möchte ich so beibehalten. Bis Fulda wird es bequem sein, danach muss neu geplant werden, es wird dann u. U. noch recht hügelig bis zum Neckar. Klar ist jetzt schon: es geht prinzipiell bergauf und gegen den Wind. Der Dude packt das!