Donnerstag, 27.08.2020

Heimreise 03, Gedern – Heppenheim

 

Von Gedern bis Frankfurt sind es rund 70 km, der Vulkanradweg würde zwar in Hanau enden, ich entscheide mich aber für das Rheintal weil mir das mehre Optionen bietet falls das Wetter endgültig kippt und die Reise mit der Bahn beendet werden muss.

Man bewegt sich längs der Nidda talwärts, beste Wege, angenehme Windverhältnisse bis Nidderau, dann wird’s hügelig, Radwegnetz mangelhaft bis abgängig, so muss ich auf die Landstraße ausweichen, verliere etwas die Orientierung und erreiche irgendwie über Vororte und Randbezirke die Bankenmetropole Frankfurt/Main. - Radwegnote: Mangelhaft. Fährt man nicht gerade am Main entlang ist ansonsten radwegmäßig Pustekuchen, ein Armutszeugnis... Auto gefahren wird wie die Sau, es ist Geld da für SUVs en Masse. Wenn man bedenkt, dass in Frankfurt Downtown innerhalb von Millisekunden Milliardensummen verdient und verzockt werden und für Radwege fällt nichts runter. Peinlich, peinlich... In Frankfurt ist es nicht nur Scheiße zu radeln, es ist auch noch Scheiß gefährlich: Ich fahre an einen Unfall heran und muss mit ansehen wie gerade ein Radelbruder leblos in einen Krankenwagen verfrachtet wird. Auf der Strecke bis Darmstadt noch zwei „Geisterräder“ am Straßenrand. Ich bin gewarnt, hier sind Radfahrer zum Abschuss frei gegeben.

Ich nehme einen Kaffee in der „Bornehmer Bergstraße“, da ist man einigermaßen sicher vor Automobilisten, und mache mich auf schnurgeradem Weg Richtung Darmstadt auf.

Meist geht es in Ermangelung von Beschilderung an der B3 entlang, teils auf richtigem Radweg, teils auf dem Randstreifen direkt an der Fahrspur, Lastwagen, SUVs brttern vorbei und erfordern höchste Konzentration, ich gebe richtig Gas auf das mich keiner erwische...

Anyway, die Strecke ab Hameln und von der Weser über das Fuldatal an den Main hätte nicht besser sein können, ich hätte nicht gedacht dass ich mich so ungerupft durch die deutschen Mittelgebirge schlängeln kann. Weser Bergland, Kassler Höhen. Röhn, Vogelsberg, Spessart, Taunus, alle nur von Weitem zu sehen – Die Bahn als Brückentechnologie für Radmobilität. Das muss irgendwie schon bei der Schöpfung so vorgesehen worden sein... Jedenfalls schöner, ruhiger und viel besser ausgebaut als die Mittelrheinroute zwischen Köln und Mainz.

Darmstadt ist noch schlimmer als Frankfurt, das bestätigt mir auch ein Rennradler der lieber nach Worms ausweicht. Ab Darmstadt, oh Wunder, ein beschilderter Radweg an der Bergstraße entlang, leider auch meist an der Bergstraße für Autos, welche allerdings meist nicht arg befahren ist (während ich sie nutze). Jeder Versuch von der Straße weg durch die Pampa auf Nebenstraßen oder das regionale Radwegnetz auszuweichen sind erfolglos. Nach einigen Umwegen landet man immer wieder auf der Landstraße. Die Umwege durch den Wald oder die Weinberge sind anstrengend, kosten Energie und sind frustrierend. Trotzdem schaffe ich es bis Heppenheim, kehre in dem etwas ältlichen aber sauberen Hotel „Michels Heppenheim“ ein. Und nehme mein Abendessen im „Schwan“ zu mir, es gibt dort traditionelle hessische Küche, soll heißen, Unmengen von Käse, Hand und Fuß und Kochkäse, mit einem herrlichen selbstgemachten Bauernbrot und mit der entsprechenden „Musik“. Dazu Wein aus der Gegend. Tatsächlich baut man hier schon Syrah aus, der ist zwar schon ganz brauchbar vom Öchslegrad her, jedoch halt auch so ein Resultat des Klimawandels...